Riesengebirge
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07.01.2010

Das Gebäude des Tschechischen Postamtes auf der Schneekoppe. - Spindlermühle

Das Gebäude des Tschechischen Postamtes auf der Schneekoppe.

Dieses Jahr waren es am 11. September genau 110 Jahre seit dem Tag, wann vom Gipfel der Schneekoppe Wanderer die ersten Ansichtskarten und Briefe mit dem runden Stempel der k.k. Österreichischen Post absendeten. Die Inschrift des Stempels lautete „Schneekoppe – Böhmen“, die Postkarten mit diesem Stempel sind für Sammler heute sehr wertvoll, sie sind bereit, für sie eine große Summe zu zahlen.

Auch heute, wann viele Leute nach dem Erreichen des Gipfels ihren Bekannten eine SMS abschicken, zögern sie nicht lange und kaufen eine klassische Ansichtskarte und schicken sie gleich von dort aus ab.

Das erste Postamtgebäude entstand ursprünglich auf der deutschen Seite bereits im Jahr 1872. Der Initiator war wahrscheinlich der damalige Inhaber von zwei Gipfelbauden - Friedrich Sommer. Er erreichte, dass eine Handelsvertretung der Deutschen Reichspost in der Preußischen Baude eröffnet wurde, die etwa an der Stelle der heutigen Polnischen Baude gestanden hatte. Diese Tatsache wurde am 22.5.1872 urkundlich belegt. Und gerade dieses Datum kann also für den eigentlichen Beginn der Posttradition auf dem Gipfel der Schneekoppe gehalten werden. Aus den historischen Urkunden erfahren wir noch, dass neben Ansichtskarten und Briefen Besucher und Gäste (damals durfte auf dem Gipfel übernachtet werden) auch Pakete und sogar Geld abschicken konnten. In einer Tabelle der Rekorde wird angeführt, dass im Jahr 1890 vom Gipfel 130 Pakete abgeschickt wurden. Es ist heute kaum vorstellbar. Dabei war das Deutsche und später auch Österreichische Postamt nur während der Sommersaison geöffnet - d.h. von Mitte Mai bis Ende September. Vom internationalen Statut der Schneekoppe zeugt auch die Tatsache, dass beide Postämter seit 1875 vom österreichischen Post- und Telegraphbeamten Johann Kirchschleger von Malá Úpa bedient wurde. Er verbrachte dort den wesentlichen Teil seines Lebens, im Sommer weilte er in der Tschechischen Baude. Erst 1921 beendete er seine Tätigkeit. Er wurde dann durch Marie Mitlöhnerová aus Pec pod Snìžkou ersetzt. Das Deutsche Postamt gehörte zu dem Postamt in Karpacz (damals noch Krummhübel) und hatte sogar seinen eigenen Briefträger, der „Koppenbriefträger" - genannt wurde. Er kam jeden Tag nachmittags hinauf, er half nach den Betriebszeiten des Postamtes mit dem Abstempeln der Briefe und am Morgen stieg er mit den Sendungen ins Tal hinunter. Das Postamt der kaiserlichen und königlichen Österreichischen Post auf dem Gipfel der Schneekoppe wurde am 11.9.1899 auf Betreiben der Herren Klein und Votoèka in der Tschechischen Baude feierlich eröffnet. Sicherlich trugen die immer steigende Anzahl der Wanderer auf dem Gipfel der Schneekoppe und das erfolgreiche Betreiben des Deutschen Postamtes entscheidend dazu bei. Obwohl die Tschechische Baude grundbuchmäßig zu der Gemeinde Malá Úpa gehörte, verwaltete das Postamt zuerst das besser zugängliche Postamt in Pec pod Snìžkou. Daher kam im Sommer täglich der Briefträger hinauf, um abends alle Sendungen wieder hinunter zu tragen. Angeblich waren es oft mehr als 15 kg Ansichtskarten. Wir kennen das Sprichwort: Ein gutes Beispiel ist der beste Lehrmeister - so entstanden später ähnliche Postämter auch in Petrova Baude oder auf dem Gipfel des Schwarzen Berges. Nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 war das Tschechische Postamt eine kurze Zeit außer Betrieb, dank der Loyalität der Familie Pohl gegenüber der Tschechoslowakischen Republik wurde seit 1920 sein Normalbetrieb wieder aufgenommen. Vom Schicksaal schwerer betroffen wurde das Tschechische Postamt. Nach dem Jahre 1938 nach der Besetzung des Sudetengebietes durch die deutsche Armee wurde es geschlossen und geschlossen blieb es ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg. Während des Krieges war nur das Postamt auf der deutschen Seite der Schneekoppe in Betrieb, die Sendungen wurden in Horní Karpacz gestempelt.  Das gleiche galt bis 1958, seit diesem Jahr gehört das nördliche Riesengebirge, d.h. auch die Schneekoppe, zu Polen. Über lange Jahrzehnte wurde die Schließung der Postämter auf der Schneekoppe für endgültig gehalten. Das totalitäre Regime war solchen Sachen abgeneigt, erst mit seinem Untergang kam die Möglichkeit, das Postamt wieder zu eröffnen. Mit der Idee kam die ehemalige Postmeisterin aus Velká Úpa Jaroslava Skrbková. Das Postamt konnte aber nicht mehr an seiner alten Stelle - in der Tschechischen Baude - eröffnet werden. Diese Baude war derzeit baufällig und wegen ihrem schlechten Zustand geschlossen. Frau Skrbková ließ daher ein kleines hölzernes Haus zwischen der Kapelle und der Baude herrichten. Am 24.8.1994 wurde das Tschechische Postamt wieder eröffnet. Es wurde dort zuerst nur mit einem historischen Gummistempel gestempelt, seit dem 1.9.1995 dann mit einem offiziellen Metallstempel der Postbehörde. Nach einer 56 Jahre lange dauernden Pause wurde so die alte Tradition erneuert.

Der Hauptsinn der Abstempelung ist die Entwertung der Briefmarke, mit der wir für die Zustellung der Postsendung bezahlen. Der Stempel von der Schneekoppe trägt bestimmt noch einen anderen Sinn in sich. Es ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass wir hinauf gekommen sind und dabei an jemanden gedacht haben.

Heutzutage finden wir auf dem Gipfel der Schneekoppe ein neues, modernes Gebäude des Tschechischen Postamtes. Es wurde zum ersten Mal im August 2007 unter Teilnahme des Staatspräsidenten Václav Klaus feierlich eröffnet. Kurz danach wurde es aber wieder geschlossen, es waren noch einige Ausstattungsarbeiten und Adaptationen erforderlich.  In Betrieb wurde es dann am 10.8.2008 genommen. Nach fünf Jahren Vorbereitungen, Gesprächen und folgender Bauphase begann es den Wanderern zu dienen. Das Äußere des neuen Tschechischen Postamtes erinnert bei Weitem nicht an die alten Bauden des Riesengebirges. Nur die zehn Fußgestelle der verglasten hölzernen Konstruktion mit flachem Dach berühren den Gipfel der Schneekoppe, der wesentliche Teil des Fußbodens schwebt also über der Oberfläche des Berges. Hydraulisch bediente Holzklappladen ermöglichen, dem Objekt sowohl die Gestalt eines modernes Hause, als auch einer klassischen Bergbaude zu verleihen. Das moderne Gebäude der Architekten Martin Rajniš und Patrik Hoffman wurde aus hölzernen Teilen mit Stahlzugbändern gebaut.

„Der Bau ist originell, ich glaube, mutig und gegen Mut habe ich keine Einwände. Ich glaube, es ist eine gute Idee, es auf diese Art zu machen,"  äußerte sich nach der Besichtigung des Postamtes der Staatspräsident Václav Klaus. Das Postamt ist ganzjährig (wetterbedingt) geöffnet. Es ist meistens von 9 bis 17 Uhr für Touristen zugänglich, sie können dort Erfrischung kaufen, einen ursprünglichen Briefstempel oder eine originale Münze bekommen.

Autor: Josef Zelený

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