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24.04.2009
Riesengebirge früher und heute - Musizieren im Riesengebirge - Rokytnice nad Jizerou
Darüber, wie und wann früher im Riesengebirge musiziert wurde, können wir derzeit von einer Reihe Chronikeinträge erfahren. Die ältesten Einträge und Erwähnungen finden wir aber bereits in kirchlichen Schriften, weil gerade Kirche eine Vorliebe für Ordnung hatte und alles mögliche notierte, sie führte also auch Evidenz über den Bestand der Kirchenorgel und anderer Musikinstrumente, die sie besaß und Musikanten borgte. Wir können zum Beispiel in den Urkunden der Kirche des Heiligen Michal in Rokytnice nad Jizerou bereits im Jahr 1738 eine Erwähnung darüber finden, dass hier neben der Orgel weitere 10 Musikinstrumente und zwei Bücher mit Notentexten zur Verfügung standen. Ähnliche ausführliche Inventaraufnahmen können wir auch in anderen Gemeinden des Riesengebirges finden, wo die Anzahl von Musikinstrumenten 10 bis 30 Stück betrug. Wir finden aber manchmal auch Erwähnungen über den schlechten Zustand der Instrumente. Neue Musikinstrumente wurden oft von Spenden angeschafft, worüber wir gleichfalls schriftliche Erwähnungen finden. Zum Beispiel im Jahre 1775 schenkten anonyme Gläser aus Rokytnice nad Jizerou zwei Trommel und vier Trompeten.Elementares Kirchenmusikinstrument war schon immer die Orgel. Wenn wir wieder in der alten Chronik von Rokytnice nad Jizerou lesen, erfahren wir, dass die älteste Orgel, über deren Ursprung keine näheren Einträge und Informationen erhalten geblieben sind, diente aus und wurde deswegen im Jahre 1785 durch eine neue ersetzt. Es wurde darüber ein Vertrag verfasst, der vom hiesigen Pfarrer Josef Sieber und dem Orgelbauer Pavel Horák aus Kutná Hora unterzeichnet wurde. Er verpflichtete sich das neue Instrument bis zum 30.6.1786 für einen Gesamtbetrag von 925 Gulden zu bauen. Die Kanzlei der Obrigkeit spendete im Auftrag des Grafen Jan Nepomuk von Harrach 700 Gulden. Auch diese Orgel ist derzeit in der Kirche des Heiligen Michaels in Rokytnice nicht mehr zu finden, sie wurde 1904 durch ein neues Instrument ersetzt. Der damalige Orgelbauer war Josef Kobyle aus Lomnice nad Popelkou. Verantwortlich für Musik und Gesang in der Kirche waren hiesige Lehrer, die Kantoren genannt wurden. Sie fertigten unter anderem Abschriften der Partituren der kirchlichen Kompositionen von verschiedenen Komponisten. Noch heute sind hin und wieder wertvolle, bis heute unbekannte Musikwerke hiesiger oder ganz unbekannter Komponisten zu finden. Wegen Unwissenheit oder durch weiteres Abschreiben der Kopien wurden Autoren einzelner Werke falsch genannt. Z.B. ein Werk des W.A. Mozart wurde Michael Haydn zugemutet, ein anderes Mal wieder Václav Vincent Mašek usw. Es handelte sich um eine aufwendige handschriftliche Arbeit, die regionalen Sammlungen sind deswegen wertvolle historische Kulturdenkmäler, die in staatlichen Archiven aufbewahrt werden. Im Bezirksarchiv in Semily können wir z.B. eine solche Sammlung der Handschriften von Rokytnice nad Jizerou finden. Sie ist ein Werk von mehreren Generationen von Kantoren der Schule in Rokynice nad Jizerou. Am meisten erwarb sich Verdienste Johann Knappe, der an der hiesigen Schule in den Jahren 1826-1849 tätig war. Er war ein sehr aktiver und erfolgreicher Lehrer, er erhielt den Ehrentitel „Musterlehrer" und seine Schule durfte sich dann mit der Bezeichnung „Musterschule" prunken. Er sammelte sämtliche ältere Abschriften der Musikwerke und schrieb dann selber den wesentlichen Teil der aktuellen Musiksammlungen von Rokytnice ab, die mehr als 300 handgeschriebene Musikwerke sowohl deutscher, als auch tschechischer Komponisten zählt. In den meisten Gemeinden und Städten des Riesengebirges gab es Vereine, deren Hauptpflicht es war, in den Kirchen und bei verschiedenen kirchlichen Zeremonien - z.B. Beerdigungen - Musik zu machen. Weil sie von den Kantoren geführt wurden, wurden sie sowohl in den tschechischen, als auch in den deutschen Gemeinden „Kantoreien" genannt. Für seine Auftritte bekamen die Musiker und Sänger nur wirklich selten kleines symbolisches Honorar. Aus finanziellen Mitteln, die durch diese Tätigkeit erworben wurde, wurden neue Instrumente gekauft, alte Musikinstrumente repariert und Notenpapier für Abschriften der vorgeführten Kompositionen gekauft. Autor: Josef Zelený ... nächste die Artikel April 2009 |
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